Ungleichheit: „Das neue Mega-Thema“

In einem sehr lesenswerten Gastbeitrag auf Capital.de geht Till van Treeck auf die Debatte um Thomas Pikettys „Kapital im 21. Jahrhundert“ ein. Er erläutert, warum Pikettys Buch einen kaum zu unterschätzenden Beitrag in der zeitgenössischen wirtschaftswissenschaftlichen Debatte darstellt und wie die von Piketty analysierten Ungleichheitsmechanismen genau funktionieren.

Zentrale Punkte des Beitrags:

  • Piketty weise auf drei empirische Phänomene hin, „die alle einen Anstieg der ökonomischen Ungleichheit signalisieren“: ein zunehmender Anteil der Spitzeneinkommen am gesamten Einkommen; ein zunehmnder Anteil hoher Vermögen an den gesamten Vermögen; sowie ein schnelleres Wachstum der Vermögen als der Einkommen insgesamt
  • Pikettys Daten stellten eine wichtige Verbesserung von Ungleichheitsdaten dar, weil sie auf amtlichen Steuerstatistiken beruhen und nicht auf freiwilligen Haushaltsbefragungen, welche die Ungleichheit meist unterschätzen
  • Piketty kombiniere zwei „fundamentale Gesetze des Kapitalismus“ – „elementare definitorische und arithmetische Zusammenhänge“ – mit einer empirischen Beobachtung: Dass die Kapitalrendite r typischerweise größer sei als die Wachstumsrate g. Im Ergebnis erkläre Piketty daraus eine Tendenz zu steigender Ungleichheit
  • Pikettys Fokus auf das Verhältnis von r und g stelle eine Provokation neoklassischer Orthodoxie dar, weil r > g einerseits eine Selbstverständlichkeit in deren Modellen wäre, diese Modelle zugleich jedoch für Ungleichheit blind seien
  • Eine zentrale Rolle in Pikettys Argument spielten Unterschiede der Sparquoten zwischen den Haushalten – einen Aspekt, der in der bisherigen Debatte um Thomas Piketty eher untergegangen sei (nicht so jedoch in diesem Blog, in einem Beitrag des Autors):

Das ist die zentrale Ungleichheitsfeder im Kapitalismus: Weil die Reichen reich sind, können sie mehr sparen als arme Haushalte, und deswegen bilden sie höhere Vermögen, erzielen höhere Kapitaleinkommen, können noch mehr sparen und so weiter. Hinzu kommt, dass Reiche in der Regel höhere Renditen auf ihr Vermögen erzielen, weil sie ihr Portfolio besser diversifizieren und risikofreudiger sein können. Je höher außerdem die Rendite auf Vermögen, und je geringer das Wirtschaftswachstum, desto leichter fällt es den reichen Haushalten, ihre relative Vermögensposition weiter zu verbessern und zu vererben.
Till van Treeck, Capital.de, 7.10.2014

  • Angesichts einer von einigen Ökonomen erwarteten säkularen Stagnation, also dauerhaft niedrigen Wachstumsraten, könnten sich diese Dynamiken noch verschärfen
  • Dabei spiele die wachsende Ungleichheit auch makroökonomisch eine destabilisierende Rolle – durch eine Überschuldung der Privathaushalte in den USA und durch das in allen Sektoren ausgeprägte Sparverhalten in Deutschland, das zu den Exportüberschüssen und der Nachfrageschwäche in Europa beitrage

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