Verzerrte Piketty-Debatte in Deutschland

CESifoEine neue Untersuchung der öffentlichen Debatte um Thomas Pikettys Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ kommt zu dem Schluss, dass viele Beiträge ein verzerrtes Bild des Buchs geben

Das Münchener ifo-Institut hat in der frisch erschienenen Frühjahrsausgabe seiner Zeitschrift „CESifo Forum“ einen Schwerpunkt zu Thomas Pikettys „Kapital im 21. Jahrhundert“. In einem Beitrag diskutiert der Piketty-Schüler Christoph Schinke die deutsche Debatte um das Buch:

Reviews, essays, and comments often revealed more information about the attitudes of the individual journalist or guest author and the publishing newspaper than they did about the book. Piketty (together with his co-authors) made a major contribution to economic science by gathering new historical data on inequality and providing explanations. However, if people relied on only one or several very similar news sources, ideological bias made it diffiult for readers to acknowledge this contribution.
Christoph Schinke, CESifo Forum 1/2015, S. 38 (PDF)

Es gebe viele Fälle von verzerrter Darstellung von Fakten und Zusammenhängen (‚fact bias‘ und ‚framing bias‘) insbesondere in konservativen und marktliberalen Medien wie beispielsweise der FAZ.

Zu einem ganz ähnlichen Schluss war ich in meinem Beitrag in dem im März erschienen Buch „Thomas Piketty und die Verteilungsfrage – Analysen, Bewertungen und wirtschaftspolitische Implikationen für Deutschland“ (Hg. Peter Bofinger, Gustav Horn, Kai Schmid und Till van Treeck) gekommen:

(…) die Heftigkeit, mit der Pikettys Buch bisher in Deutschland verrissen wurde, erzählt mehr über die deutsche Ökonomenzunft und den deutschen Wirtschaftsjournalismus als über Thomas Piketty und sein Werk. Der Umgang mit Pikettys Buch offenbart, dass es in diesen Kreisen bislang keine Bereitschaft gibt, dem Thema der wachsenden Ungleichheit den Ernst entgegenzubringen, der angemessen wäre.
Julian Bank, „Die Piketty-Rezeption in Deutschland“, in: Thomas Piketty und die Verteilungsfrage, S. 31

Es ist erfreulich zu sehen, wie sich mehr und mehr Beobachter die Augen reiben über die Piketty-Berichterstattung in Deutschland. Das hilft, die Ungleichheitsdebatte in Deutschland zu versachlichen und den ihr gebotenen Fokus zu schärfen.

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