Vermögen noch viel ungleicher verteilt: Das reichste Prozent der Deutschen besitzt rund ein Drittel der Privatvermögen

Das DIW schätzt in einer neuen Studie, dass die Vermögens­ungleichheit in Deutschland noch viel größer ist als bisher angenommen. Demnach besitzen die reichsten 1 Prozent der Deutschen rund ein Drittel der Privatvermögen, und die reichsten 0,1 Prozent (!) besitzen rund 15 Prozent der Vermögen.

Eine neue Studie des DIW beschäftigt sich mit der Vermögensungleichheit in Deutschland. Schon seit längerem gibt es Kritik an den Zahlen des SOEP zur Vermögensungleichheit, weil freiwillige Haushaltsumfragen typischerweise die ganz reichen Haushalte nicht erfassen.

Die Autoren der Studie sagen dazu:

Die Chance, dass einer der wenigen deutschen Milliardäre oder Multimillionäre in einer repräsentativen Befragung auftaucht, geht gegen null. Erfahrungen aus einer amerikanischen Studie zeigen darüber hinaus, dass die Auskunftsbereitschaft mit der Höhe des Vermögens sinkt.
Markus Grabka und Christian Westermeier, Pressmitteilung vom 11.2.2015

Im Oktober hatte Verteilungsfrage bereits über eine Studie des IMK berichtet, die aufzeigt, warum Daten der VGR und der gesamtwirtschaftlichen Vermögensbilanz nahelegen, dass die Vermögensungleichheit deutlich größer sein könnte. Demnach wäre die Vermögensungleichheit seit 2002 – anders als die Daten des DIW suggerierten – auch weiter gestiegen.

Nun hat das DIW im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung in einem aufwändigen Verfahren eine neue Schätzung der Vermögensdaten vorgenommen. Dabei ist wichtig anzumerken, dass die Daten weiterhin unter einer großen Unsicherheit stehen.

  • Das zentrale Problem in Deutschland ist, dass seit der Einführung der Abgeltungssteuer Kapitaleinkommen anonym besteuert werden und dass es keine Vermögenssteuer mehr gibt. Die Steuerstatistik fällt daher als wichtige Quelle von Daten über die Vermögensverteilung weg.
  • Dies ist auch ein Demokratieproblem, wenn es keine verlässlichen Informationen mehr über den privaten Reichtum gibt, auf deren Grundlage eine Gesellschaft entscheiden könnte, wie sie im Sinne der Sozialpflichtigkeit des Eigentums mit dessen Schutz umgehen möchte.

Die Autoren der DIW-Studie haben nun die Milliardärsliste des Forbes-Magazins genutzt, um bisherige Daten zur Vermögensverteilung zu korrigieren.

Damit schätzen sie den Anteil des vermögendsten Prozents der Deutschen fast doppelt so hoch ein wie bislang angenommen: auf rund ein Drittel der Gesamtvermögen.

Der Anteil der reichsten 0,1 Prozent (!) wurden noch deutlich stärker nach oben korrigiert: Er wäre nach diesen neuen Schätzungen dreimal so hoch wie bisher angenommen, bei rund 15% der Gesamtvermögen. Damit besitzt dieser Teil der Bevölkerung rund 150 mal so viel wie sein Anteil an der Bevölkerung ausmacht.

Zur Illustration, die jeweiligen Anteile an der Bevölkerung und an den Vermögen:

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Eigene Darstellung. Quelle: DIW

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Eigene Darstellung. Quelle: DIW


Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen den Schätzungen zufolge zwischen 63 und 74 Prozent der Vermögen, also bis zu drei Viertel:

Eigene Darstellung. Quelle: DIW

Eigene Darstellung. Quelle: DIW

Auch das Gesamtvermögen der Deutschen liegt mit den Schätzungen des DIW deutlich höher, um rund 3 Billionen (also 3000 Milliarden) bei 9,3 Billionen Euro (also 9300 Mrd).

Auch wenn Bundeswirtschaftsminister Gabriel der Meinung ist, sie sei „tot“: Es wird Zeit, über eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer nachzudenken. Damit würde nicht nur das Problem der unklaren Datenlage gelöst. Es könnte auch der zu erwartenden weiteren Zunahme der Vermögensungleichheit entgegengewirkt werden, vor der Thomas Piketty so eindringlich warnt.

Das Problem der Vermögensungleichheit in Deutschland dürfte sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen: Weil die Lebenseinkommen zunehmend ungleich werden und weil der demographische Wandel dazu führt, dass auf jeden Erblasser immer weniger Erben kommen. Die Sozialdemokraten wären also gut beraten, sich auf ihre Wurzeln zurückzubesinnen.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist gut, dass immer öfter die Kluft zwischen „Otto-Normalbürger“ und den wahren Kapitalisten aufgezeigt wird. Ich kann nur hoffen: „Weiter so“ … vielleicht bewirkt es ja ein Umdenken der Massen und damit die längst überfällige Forderung von mehr Sozialengagement der Reichen, die freiwillig nichts abgeben, gemessen an dem, was sie besitzen.

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